Allen Ernstes

– „Du wirst doch nicht“, droht der Schweinehund.
– „Du redest nie mit mir“, sagt sie zu ihm.
– „Die Putzfrau hat vollkommen Recht“, gibt Gabi zu.
– „Ich muss dringend in die Waschstraße“, bildet sich Heinrich ein.

Pointiert-ironisch skizziert und seziert Maryse Krier in ihren Kurzgeschichten die Neurosen und Marotten ihrer Figuren, die uns viel näher sind, als uns eigentlich lieb sein kann. Ob in einem einzigen scharfzüngigen Satz oder mit unzähligen schnippischen Fragen, jedes Mal trifft die Autorin gekonnt den Nerv der Genervten. Denn das ewig Menschliche treibt uns an und reibt uns auf. Bis zur Schmerzgrenze. Bis zum bitteren Lachen.

Ein bissiges Lese-Vergnügen, das die geistreichen Illustrationen der talentierten Nachwuchszeichnerin Tanja Trienekens aus dem „Lycée Classique d’Echternach“ (LCE) noch verstärken.

Vorgestellt wurde der dritte Band der Belletristik-Serie „Kremart Kanephora“ folgerichtig im Spiegelsaal des LCE (Fotos von Steve Müller hier auf kremart.lu). Den Auftakt der Reihe hatte Jean Back mit „Zalto mortale“ gemacht, es folgte „Die Tage, die Dinge“ von Linda Graf.

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MARYSE KRIER

Die Autorin wurde am 2. Januar 1953 in Luxemburg geboren und wuchs in Düdelingen auf. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik und Anglistik an der Universität des Saarlandes. Von 1977 bis 2013 war sie Gymnasiallehrerin. Ihre schriftstellerische Laufbahn begann Maryse Krier 1990 mit Kurzgeschichten und Gedichten in der Literaturzeitschrift „Galerie“. Bis dato sind von ihr folgende Bücher erschienen: „Auf langen Wegen“ (1998, Kurzgeschichten, Galerie Verlag), „Herzschlag“ (2002, Erzählung), „Das Haus am Fluss“ (2005, Erzählung), „Lebenswelten“ (2007, Gedichte), „Der Geburtstag“ (2009, Roman, alle vier Editions Schortgen), „Die Begegnung“ (2012, Novelle, GalerieDok 5, Editions Centre Culturel de Differdange) und „Die Andere“ (2015, Roman, Editions Saint-Paul). Im Dezember 2000 erhielt Maryse Krier den ersten Preis im Literaturwettbewerb „Libertés“ für einen Auszug aus ihrer Erzählung „Herzschlag“. Diese Erzählung wurde 2004 unter dem Titel „Martha“ von Léon Weis verfilmt.

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TANJA TRIENEKENS

Die junge Nachwuchszeichnerin, Jahrgang 1998, besucht derzeit das „Lycée Classique d’Echternach“. „Allen Ernstes“ ist das erste Buch, das sie illustriert hat.

ALLEN ERNSTES

Allen Ernstes, Herr Heinz, über Krankheiten möchte ich heute Abend während unseres gemütlichen Beisammenseins nicht reden, das macht mich krank, wenn mir die Leute immer über ihre jeweilige Befindlichkeit berichten wollen, da gibt es wahrhaft andere Themen, über die es sich zu sprechen lohnt …

… oder zu schreiben! Und an Themen mangelt es Maryse Krier beileibe nicht. In fünf Kapitel hat die Autorin ihre 14 satirischen Kurzgeschichten eingeteilt: Von „Aller Alltag ist schwer“ bis zu „Litera-Tortur“. Dazwischen fragt sie: „Noch alle Tassen im Schrank?“ Und stellt trocken fest: „Alter schützt vor Torheit nicht.“ – „Und Jugend schon gar nicht.“

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Mit dem Humor eines Loriot und der Ironie eines Ephraim Kishon bewegt sich die Schriftstellerin auf den Spuren von Jean de La Bruyère: Sie porträtiert Charaktere und übercharakterisiert sie, sie zeichnet ein Sittengemälde und überzeichnet es. Dabei liegen die Tücken weniger im Alltag des Menschen als im Menschen selbst, der diesen Alltag nicht auszuhalten vermag. Deshalb lässt er ihn wie Essen durch den Magen wandern, in der Waschanlage aufpolieren, im Theater zerreden oder in der Schule zertreten. Geschichten über Obsessionen und Besessene, über Menschen wie du und ich …

„Allen Ernstes“ von Maryse Krier ist die dritte Veröffentlichung in der Reihe „Kremart Kanephora“, der neuen Bibliothek von Kremart Edition.

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Allen Ernstes
Maryse Krier (Text), Tanja Trienekens (Zeichnungen)
Korrektur: Myriam Welschbillig, Layout: Presss, Druck: GGP Media
ISBN 978-99959-39-43-4, 208 Seiten, 19,95 Euro

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